Tools8. Februar 2026

Wie LaTeX mein Leben veränderte - Weg von MS Word

Warum ich von Microsoft Word zu LaTeX gewechselt bin und wie es meine Arbeit verändert hat

#LaTeX#Dokumentation#Schreiben#Produktivität
Wie LaTeX mein Leben veränderte - Weg von MS Word

Wie LaTeX mein Leben veränderte - Weg von MS Word

Als IT-Spezialist und technischer Autor habe ich jahrelang mit Microsoft Word gearbeitet. Dokumente, Berichte, technische Spezifikationen – alles wurde in Word geschrieben. Bis ich LaTeX entdeckte. Dieser Wechsel hat nicht nur meine Arbeitsweise verändert, sondern auch meine Einstellung zum Schreiben.

Der Anfang: Frustration mit Word

Word ist ein mächtiges Programm, keine Frage. Aber für technische Dokumente hatte ich immer wieder Probleme:

Formatierungsprobleme

  • Nummerierungen: Listen, die plötzlich bei 1 wieder anfangen
  • Seitenumbrüche: Ungewollte Seitenumbrüche mitten im Text
  • Verweise: Querverweise, die nicht mehr funktionieren
  • Tabellen: Tabellen, die sich verschieben, wenn man Text ändert

Versionierungsprobleme

Word-Dateien sind binär. In Git sind sie schwer zu vergleichen. Wenn mehrere Personen an einem Dokument arbeiten, entstehen schnell Konflikte.

Konsistenz

Trotz Formatvorlagen war es schwierig, konsistente Dokumente zu erstellen. Kleine Änderungen führten oft zu ungewollten Formatierungsänderungen.

Performance

Große Word-Dokumente werden langsam. Bei Dokumenten mit vielen Bildern, Tabellen und Verweisen wurde Word zunehmend unbrauchbar.

Die Entdeckung: LaTeX

LaTeX (ausgesprochen "Lah-tech" oder "Lay-tech") ist ein Dokumentensatz-System, das auf TeX basiert. Anstatt in einem WYSIWYG-Editor zu arbeiten, schreibt man in einer Markup-Sprache.

Beispiel:

\documentclass{article}
\begin{document}
\section{Einleitung}
Dies ist ein Absatz mit \textbf{fettem Text} und 
\emph{kursivem Text}.
\end{document}

Das mag auf den ersten Blick kompliziert erscheinen, aber es hat enorme Vorteile.

Warum LaTeX besser ist (für mich)

1. Konsistenz

LaTeX sorgt automatisch für konsistente Formatierung. Wenn ich \section{} verwende, wird der Abschnitt automatisch richtig formatiert – Schriftgröße, Abstände, Nummerierung, alles passt.

Keine Formatierungsüberraschungen mehr.

2. Professionelles Aussehen

LaTeX-Dokumente sehen einfach professioneller aus. Die Typografie ist besser, die Abstände sind korrekt, die Formeln sind perfekt gesetzt. LaTeX wurde von Mathematikern für Mathematiker entwickelt – und das merkt man.

3. Mathematische Formeln

Als jemand, der mit technischen Dokumenten arbeitet, sind mathematische Formeln wichtig. In Word sind Formeln mühsam einzugeben und sehen oft nicht gut aus. In LaTeX sind sie einfach und sehen perfekt aus:

\[
E = mc^2
\]

\[
\int_{-\infty}^{\infty} e^{-x^2} dx = \sqrt{\pi}
\]

4. Versionierung

LaTeX-Dateien sind reine Textdateien. Sie funktionieren perfekt mit Git:

  • Diffs sind lesbar: Man sieht genau, was sich geändert hat
  • Merge-Konflikte sind lösbar: Textbasierte Konflikte sind einfacher zu lösen
  • History ist nachvollziehbar: Jede Änderung ist nachvollziehbar

5. Automatisierung

LaTeX kann automatisch generieren:

  • Inhaltsverzeichnisse: Automatisch aus den Überschriften
  • Abbildungsverzeichnisse: Automatisch aus den Bildern
  • Literaturverzeichnisse: Mit BibTeX automatisch formatiert
  • Indexe: Automatisch generiert

6. Stabilität

LaTeX-Dokumente werden nicht "kaputt". Es gibt keine versteckten Formatierungen, die plötzlich Probleme machen. Wenn das Dokument kompiliert, funktioniert es.

7. Plattformunabhängigkeit

LaTeX läuft auf Windows, Linux, macOS. Die Dokumente sehen überall gleich aus. Keine Probleme mit unterschiedlichen Word-Versionen oder fehlenden Fonts.

Die Lernkurve

LaTeX hat eine steile Lernkurve. Am Anfang war es frustrierend:

  • Syntax: Die Syntax ist gewöhnungsbedürftig
  • Kompilierung: Man muss kompilieren, um das Ergebnis zu sehen
  • Fehler: Fehlermeldungen sind manchmal kryptisch
  • Pakete: Es gibt tausende von Paketen, und man muss wissen, welche man braucht

Aber: Es lohnt sich. Nach ein paar Wochen wird es zur Gewohnheit, und die Vorteile überwiegen deutlich.

Meine Workflow-Verbesserungen

Vorher (Word)

  1. Dokument öffnen
  2. Text schreiben
  3. Formatieren (manuell)
  4. Verweise einfügen (manuell)
  5. Inhaltsverzeichnis aktualisieren (manuell)
  6. Formatierungsprobleme beheben
  7. Nochmal formatieren
  8. ...

Nachher (LaTeX)

  1. Text in Editor schreiben (mit Syntax-Highlighting)
  2. Kompilieren
  3. PDF ansehen
  4. Fertig

Die Formatierung passiert automatisch.

Praktische Beispiele

Technische Dokumentation

Für technische Dokumentation ist LaTeX ideal:

  • Code-Listings sehen perfekt aus
  • Tabellen sind einfach zu erstellen
  • Diagramme können automatisch generiert werden
  • Verweise funktionieren immer

Präsentationen

Mit Beamer (ein LaTeX-Paket für Präsentationen) erstelle ich Präsentationen:

  • Konsistentes Design
  • Automatische Folien-Nummerierung
  • Mathematische Formeln sehen perfekt aus
  • PDF-Output (keine Kompatibilitätsprobleme)

Lebenslauf

Sogar meinen Lebenslauf habe ich in LaTeX geschrieben:

  • Professionelles Aussehen
  • Einfach zu aktualisieren
  • Konsistente Formatierung
  • PDF-Output

Die Tools, die ich nutze

Editor

Ich nutze VS Code mit LaTeX-Erweiterungen:

  • Syntax-Highlighting
  • Auto-Completion
  • Live-Preview
  • Fehler-Highlighting

Distribution

TeX Live (auf Linux) oder MiKTeX (auf Windows) – die LaTeX-Distributionen, die alle notwendigen Pakete enthalten.

Online-Alternativen

Für den Einstieg gibt es auch Online-Editoren wie Overleaf, die keine Installation erfordern.

Wann LaTeX Sinn macht

LaTeX ist nicht für jeden geeignet. Es macht Sinn für:

  • Technische Dokumente: Spezifikationen, Handbücher, Berichte
  • Akademische Arbeiten: Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Dissertationen
  • Bücher: Lange Dokumente mit vielen Verweisen
  • Präsentationen: Wenn Konsistenz wichtig ist
  • Mathematische Dokumente: Formeln sehen perfekt aus

Es macht weniger Sinn für:

  • Briefe: Zu aufwändig für einfache Dokumente
  • Kreative Layouts: LaTeX ist nicht für freies Design gedacht
  • Kollaboration mit Nicht-Technikern: Nicht jeder kann LaTeX

Meine Empfehlung

Wenn ihr:

  • Technische Dokumente schreibt
  • Mit Git arbeitet
  • Wert auf Konsistenz legt
  • Mathematische Formeln braucht
  • Professionelles Aussehen wollt

Dann probiert LaTeX aus. Die Lernkurve ist steil, aber es lohnt sich.

Der Wechsel

Der Wechsel von Word zu LaTeX war nicht einfach. Es gab eine Phase der Frustration, in der ich dachte: "Warum mache ich mir das Leben so schwer?"

Aber jetzt, nach Monaten der Nutzung, würde ich nie mehr zurückwechseln. LaTeX hat meine Arbeit verändert:

  • Schneller: Weniger Zeit mit Formatierung verschwendet
  • Besser: Professionelleres Aussehen
  • Zuverlässiger: Keine Formatierungsprobleme mehr
  • Zufriedener: Ich kann mich auf den Inhalt konzentrieren

Fazit

LaTeX hat mein Leben verändert – im positiven Sinne. Es ist nicht für jeden geeignet, aber für technische Dokumente ist es unschlagbar. Der Wechsel von Word zu LaTeX war eine der besten Entscheidungen, die ich in meiner beruflichen Laufbahn getroffen habe.

Wenn ihr euch für LaTeX interessiert, kann ich nur empfehlen: Probiert es aus. Es gibt viele Tutorials online, und die Community ist hilfsbereit. Der Anfang ist schwer, aber es lohnt sich.


Von Word zu LaTeX – eine Reise, die meine Arbeitsweise für immer verändert hat.